Im Rahmen der heutigen Abstimmung im Deutschen Bundestag über die Einführung der so genannten „Ehe für alle“ hat der Südthüringer Bundestagsabgeordnete Mark Hauptmann der Gesetzesänderung zugestimmt. Kritik äußert der Unionspolitiker gegenüber dem Koalitionspartner SPD. Die Sozialdemokraten haben die Abstimmung mit den Stimmen von Linken und Grünen im Schnellverfahren auf die Tagesordnung gebracht und damit zum Ende der Legislaturperiode mit der Koalitionsvereinbarung über das Verbot wechselnder Mehrheiten gebrochen. Hauptmann kommentiert:

„Meine Kollegen und ich haben viele Zuschriften und Anrufe zu der Debatte erhalten. Nach bestem Wissen und Gewissen habe ich mich für die ‚Ehe für alle‘ entschieden. Dabei möchte ich festhalten, dass kein heterosexuelles Paar durch die neue Regelung schlechter gestellt oder benachteiligt wird. Auch verhindert die Ehe für homosexuelle Paare nicht die Ehe heterosexueller Paare. Da wir bereits heute eine weitestgehende Gleichberechtigung homosexueller Partnerschaften haben, z.B. im Steuerrecht, regelt das neue Gesetz im Wesentlichen nur zwei Aspekte: Die Anwendung der Bezeichnung ‚Ehe‘ und die Frage des Adoptionsrechts. Wenn Sie mich fragen, warum man eine Partnerschaft von zwei homosexuellen Menschen, die sich Liebe, Treue und Fürsorge versprechen und Verantwortung füreinander übernehmen wollen, nicht auch ‚Ehe‘ nennen soll,  kann ich keinen gewichtigen Grund erkennen, der dagegen spricht.“

In ähnlicher Weise äußert sich Hauptmann zum neuen Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Paare: „Für mich steht das Wohl des Kindes bei dieser Frage im Vordergrund. Auch hier kann ich nicht erkennen, warum man einem Kind die liebevolle Zuneigung und die Chance, in einer behüteten Familie aufzuwachsen, verwehren sollte, nur weil es sich um zwei Männer oder zwei Frauen handelt. Ich kenne persönlich Kinder in gleichgeschlechtlichen Familien und kann hier keine Beeinträchtigung oder Benachteiligung erkennen“, erklärt Hauptmann.

Kritik erreichte die Bundestagsabgeordneten, die sich für die „Ehe für alle“ aussprachen, vor allem wegen der „Aufweichung“ des Begriffs der Ehe und die befürchteten Folgen für die Gesellschaft. Auch der konservative Kern der CDU/CSU-Fraktion wurde in Frage gestellt. Hauptmann dazu:

„Das faszinierende an dieser Debatte ist, dass es eine Renaissance klassischer Werte und Institutionen wie Familie, Fürsorge und eben der Ehe gibt. Gesellschaftliche Gruppen, die über Jahrzehnte die Ehe als altbacken, konservativ und aus der Zeit gefallen kritisiert haben, streben heute nach diesen Werten sowie der Institution Ehe. Aus konservativer Sicht stelle ich fest: Der gesellschaftliche Kulturkampf ist gewonnen – die Ehe und Familie sind das zentrale gesellschaftliche Leitbild“, so Hauptmann.

„Ich kann durchaus verstehen, dass die Gleichstellung homosexueller Paare emotional diskutiert wird. Betrachten wir aber die nüchternen Zahlen, stellen wir fest: Der Anteil gleichgeschlechtlichen Partnerschaften im Vergleich zu herkömmlichen Ehen liegt bei 0,2 oder 0,3 Prozent. 99,7 Prozent der Paare bestehen aus Mann und Frau. Die Ehe zwischen Mann und Frau bleibt also auch weiterhin das zentrale Leitbild unserer Gesellschaft – auch meines. Ich sehe – wenn überhaupt – also nur einen marginalen Einfluss auf unser gesellschaftliches Gefüge. Außerdem bin ich der Meinung, dass die Union ihr konservatives Profil schärft, wenn sie noch mehr Menschen erlaubt, auch auf gesetzlicher Grundlage Verantwortung füreinander zu übernehmen, sich langfristig zu binden und sich auch in schweren Zeiten Halt zu geben. Das Gesetz macht unsere Gesellschaft stärker anstatt schwächer“, so Hauptmann abschließend.

* Bild von BhaktiCreative auf Pixabay, Lizenz: Public Domain CC0

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