Erfahrungen als Grundlage
Die wöchentliche Kolumne für TLZ / Eichsfelder Tageblatt: Der Größenwahn der Jungen
Es wird berichtet, dass im alten Rom siegreichen Caesaren die Ehre eines Triumphzuges gestattet wurde. Sehr zur Freude der Römer wurden dabei neben den siegreichen Legionen viel Beute und Gefangene vorgeführt. Der Imperator fuhr auf einem Streitwagen und ließ sich gebührend feiern. Hinter ihm hatte ein Sklave zu stehen, der ihm von Zeit zu Zeit „hominem te esse memento“ zuzurufen hatte. „Bedenke, dass Du ein Mensch bist.“ Dies sollte wohl den Imperator vor dem sprichwörtlichen Caesarenwahn bewahren. Vor dem Wahn, ihm sei alles möglich und erlaubt. Vor dem Wahn, über der Verfassung zu stehen und anzunehmen, alles war er tue sei aus sich heraus legitimiert.
Beispiele dafür gibt es in der Geschichte genügend. In der römischen Kaiserzeit Nero, Caligula und Commodus, im alten China der erste Kaiser QinXiHuangDi. In der neueren Geschichte könnte man an den rumänischen Diktator Ceausescu denken, aktuell an den venezuelanischen Präsidenten Hugo Chavez. Auch die heutige Zeit hat ihre Versuchungen und Macht kann zur Droge werden. Wer es bis nach oben geschafft hat, läuft mitunter Gefahr abzuheben, die Bodenhaftung zu verlieren. Das gilt für die Wirtschaft, die Kultur, den Sport und natürlich auch für die Politik.
In der Politik ist es eine funktionierende Gewaltenteilung zwischen Regierung, Parlament und unabhängige Justiz, welche die Bürger vor dem Durchknallen ihrer Herrscher bewahrt. Also funktionierender Parlamentarismus, freie Presse, Zivilcourage und der sprichwörtliche Mut vor Königsthronen. Trotzdem kann Macht zu Kopf steigen, die Bodenhaftung verloren gehen, ein Höhenrausch einsetzen. Der italienische Ministerpräsident scheint dafür anfällig.
Gefährdet scheinen mir auch manche unserer Nachwuchs-Politiker. Ihnen fehlt Erfahrung, Reife und Demut. Doch wie Bäume, die in den Himmel wachsen wollen, Wurzelwerke brauchen, so brauchen Politiker und Regierende den Blick für die Menschen und etwas Sachverstand. Den Blick für die Menschen mit ihren Hoffnungen und Wünschen, ihren Sorgen und Nöten. Und wer sich für die Politik entscheidet, ist gut beraten nach einer Lehre oder einem Studium zuerst einen Beruf auszuüben, nach Möglichkeit eine Familie zu gründen und ein Ehrenamt zu übernehmen, bevor man nach höchsten Ämtern greift und anderen Menschen etwas vorschreiben will.
Die drei Lebensstationen Kreißsaal – Hörsaal – Plenarsaal sind für politische Ämter deutlich zu wenig, in unseren Parteien aber durchaus anzutreffen. Wobei mancher nicht nur hinter den Ohren grüne Politiker bisher lediglich an einer Universität vorbeigegangen ist. Man merkt ihre Ahnungslosigkeit, wenn wie in der aktuellen Energiedebatte, elektrische Leistung mit elektrischer Arbeit verwechselt wird. Statt Caesarenwahn droht nun die Verschnöselung der Politik. Für mich ein Grund mehr dagegenzuhalten und zum Mitdenken anzuregen.
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