Manfred Grund: Dunkle Wolken über Europa
Die wöchentliche Kolumne für TLZ / Eichsfelder Tageblatt: Der Euro ist eine Schicksalsgemeinschaft
Von der Wettervorhersage sind wir an Tiefs und dunkle Wolken aus Richtung Island gewöhnt. Griechenland haben wir bisher nicht mit schlechtem Wetter und dunklen Wolken in Verbindung gebracht.
Und doch ist nach der Aschewolke aus Island Finanz-Düsternis aus Griechenland über EU-Europa gekommen. Die Griechen haben sich vor Jahren in die EU-Zone gemogelt, falsche Bilanzen erstellt und danach munter Schulden gemacht. Heute kann Griechenland die aufgenommenen Kredite nicht mehr bedienen und bekommt am Kapitalmarkt kein frisches Geld. Nun hoffen die Griechen auf die Hilfe der starken europäischen Staaten wie Deutschland und Frankreich und brauchen zusätzlich Unterstützung aus dem Internationalen Währungsfonds.
Die Begeisterung hält sich in Grenzen, keiner möchte Euro nach Athen tragen und doch ist die Euro-Währungsgemeinschaft auch eine Schicksalsgemeinschaft, in der Lasten gemeinsam geschultert werden müssen. Denn die Alternative dazu ist der griechische Staatsbankrott mit unvorhersehbaren Turbulenzen in der Euro-Währungszone und damit Problemen für unsere Geldstabilität.
Turbulenzen und Probleme wurden im europäischen Luftraum gerade erst durch einen Vulkanausbruch in Island hervor gerufen. Naturgewalten haben einmal mehr unsere Technik-Verliebtheit und unserem Machbarkeitswahn Grenzen gezogen. Flugverbote haben nicht nur hunderttausende Passagiere und Urlauber am Boden gehalten, sondern auch den internationalen Warenverkehr unterbrochen. Nahezu 40 Prozent unseres wertmäßigen Warenverkehrs wird per Luftfracht abgewickelt. Hochindustrialisierte Länder, besonders Deutschland, sind auf unbehinderte Mobilität, bezahlbare Energie und sichere Datenkommunikation angewiesen. Fehlt eine dieser Voraussetzungen, stottert der Wirtschaftsmotor.
Nun lernen wir schmerzhaft, dass auch Währungsstabilität Voraussetzung einer soliden Wirtschaftsentwicklung ist. Damit werden aus Griechenlands Schulden unsere Probleme. Natürlich hat Griechenland eine Bringschuld, muss sparen und ehrliche Zahlen vorlegen.
Und aus dunklen Wolken kann auch ein reinigendes Gewitter kommen. Aber hoffentlich ohne Blitzeinschlag ins europäische Haus.
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