Manfred Grund: Koreaner mit viel Interesse
Die wöchentliche Kolumne für TLZ / Eichsfelder Tageblatt: Bundesrepublik hat Probleme
In dieser Woche hat der Deutsche Bundestag den Bundeshaushalt für das laufende Jahr beschlossen. Die Stimmung im politischen Berlin war eher bedrückt, denn um die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben zu schließen, wird eine Neuverschuldung von 80 Mrd. Euro notwendig. Dazu wird die Debatte überschattet von der Sorge um die Stabilität der europäischen Währungsunion angesichts der desolaten Haushaltslage einiger Mitgliedsstaaten. Die Bundesregierung hat richtige Probleme. Werden wir mit den gegenwärtigen Problem fertig und wird unser Vaterland eine gute Zukunft haben?
In unserer jüngeren Geschichte finden sich Parallelen, die Mut machen. Da ist zum einen der Wiederaufbau in West und Ost nach dem Ende der Nazi-Barbarei und da sind die Erfahrungen aus dem Wendeherbst 1989 und dem unerwarteten Geschenk der deutschen Einheit in 1990, also vor 20 Jahren.
Am 18. März 1990 fanden die ersten freien Volkskammerwahlen in der DDR statt. Es waren nach 1946 die ersten freien Wahlen überhaupt! „Nieder mit der SED“ und „Freie Wahlen“ – dies waren die Hauptforderungen auch der Demonstranten im Eichsfeld. Mit einem überragenden Wahlergebnis der „Allianz für Deutschland“ aus CDU, Deutscher Sozialer Union und dem Demokratischen Aufbruch haben an diesem 18. März 1990 die Wähler ein Votum für die Einheit Deutschlands abgegeben. Die frei gewählte Volkskammer hatte die Aufgabe, diese Einheit im Einvernehmen mit unseren europäischen Nachbarn und den Alliierten zu gestalten und sich selbst aufzulösen. Aus dem Altkreis Heiligenstadt waren Dr. Werner Henning und Olaf Thees und aus dem Altkreis Worbis Rolf Berend und Willibald Böck mitverantwortlich für Inhalt und Tempo des Einigungsprozesses. Auch Ministerpräsident Lothar de Maizière war der richtige Mann zur richtigen Zeit. Viele Probleme waren zu lösen, jeder Tag brauchte neue Antworten, das Fenster zur Einheit war angesichts der zusammenbrechenden Sowjetunion nur kurze Zeit offen. Die Wahlentscheidung vom 18. März mündete in der Wiedervereinigung vom 3. Oktober.
Unser Vaterland hat auch diese Bewährungsprobe bestanden. Dies wird im Ausland manchmal klarer gesehen und gewürdigt als in Deutschland selbst.
So hatte ich gestern, am 18. März, ein Gespräch mit einer Delegation aus Korea. Korea ist noch ein geteiltes Land. Südkorea interessiert sich, mit welchen Erfahrungen Deutschland die Wiedervereinigung bewältigt hat. Die Koreaner waren sehr beeindruckt. Ein Teilnehmer sagte mir, unser Land ist noch lange nicht so weit, eure Probleme hätten wir gern. Diese Sicht von außen sollte uns ermutigen, auch die heutigen Probleme zuversichtlich anzugehen.
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